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Da tanzt der Bär

Ein ungewöhnlicher Musikabend war es, der am 25. September im “Meck à Frick” stattfand. Dieses Konzertlokal ist bekannt dafür, spezielle Perlen in der weltweiten Musiklandschaft aufzustöbern und einzuladen. Dass sich das Haus an der Geissgasse in Frick befindet, ist ein Zufall, aber Ziegengemecker und die ländliche Umgebung des Fricktals passten bestens zum weissrussischen Ethno-Trio “Troitsa”, das zu einem recht wilden Ritt in die Weiten und Tiefen der Volksmusik einlud.

Die Bühne war bereits vor Konzertbeginn einen Blick wert. Gitarren, Flöten, eine sehr interessante Schlagzeugküche, Gongs, Geigen, Muschelketten und vieles mehr lagen bereit auf schön besticktem weissrussischen Leinen. Dann betrat das Zentrum der Band, Ivan Kirchuk, seinen Thron inmitten dieses musikalischen Arsenals, und meine Sitznachbarin, eine sehr phantasiebegabte Zeichnungslehrerin und Künstlerin, flüsterte: “Er könnte einem Bild von mir entstiegen sein.” Ja, gewöhnlich ist anders. Ivan Kirchuk ist eine eindrucksvolle Erscheinung, er sieht ein wenig aus wie eine Mischung aus Pope, Wikinger und Samichlaus. Lange weisse Haare, weisser Bart und gekleidet in eine Art gestricktes oder gehäkeltes Kettenhemd und ebensolche Beinkleider. Nebst seiner spannenden Musik interessierte wohl auch viele die Frage, wer ihm dieses Gewand für seinen nicht ganz geringen Körperumfang angefertigt habe.

Er begann das Konzert nur mit seiner Stimme, kraftvoll und natürlich. Danach kamen seine zwei Begleitmusiker, zwei Yuris (in T-shirts) auf die Bühne und malten mit Ivan Kirchuk Klanglandschaften, die so gar nicht an “Kalinka” und “Moskauer Nächte” erinnerten. Schwer zu beschreiben, nichts, was einfach mitzusingen wäre. Viele Laute entstanden da, uralt und neu zugleich. Es waren virtuose Musiker am Werk, die sehr konzentriert und zugleich sehr entspannt in ihrer Musik waren und perfekt miteinander harmonierten. Ein kleiner Wermutstropfen war, dass der Sound sehr laut war. Etwas weniger Dezibel hätte der Musik wohl noch etwas mehr Flügel verpasst.

Ivan Kirchuk sprach zum mehrheitlich aus kulturinteressierten Schweizer Mittfünfzigern bestehenden Publikum ganz natürlich auf Weissrussisch. Ab der zweiten Ansage erbarmte sich dann der Vizepräsident des weissrussischen Vereins und machte allen auf Schwizerdütsch zugänglich, was Ivan Kirchuk zu den Liedern sagte. Oftmals ging es dabei um Hochzeiten, oder dann um einen Bären, der bei Frühlingsanfang geweckt wird und zu tanzen anfängt, oder um Beeren, die sich im Walde verliebt zueinander hinneigen. Oder man hörte von alten Frauen, die im Frühling das frische Grün in die Erde stampfen, damit etwas Gutes gedeiht, oder um vielleicht selber etwas Frische zu erlangen? Und vielen bleibt wohl auch der Ziegenschädel in Erinnerung, der bei einer Hochzeit vergraben wird und über den das Brautpaar steigen muss, damit Übel fernbleibt. Bei uns in der Schweiz wird man als Braut ja bestenfalls über die Schwelle des Hauses getragen, was im Vergleich doch etwas armselig wirkt…

Gegen Ende des Abends wünschten die Musiker (Ivan Kirchuk, Yury Dmitriev und Yury Pavlovski) dem Publikum mit einem Lied über Vögel, die herfliegen und Grüsse überbringen, alles Gute und wurden mit warmem Applaus verabschiedet. Der Funke zwischen Weissrussland und der Schweiz ist einmal mehr gesprungen. Das spürten alle im Raum und so wurden die Musiker zu zwei Zugaben herausgeklatscht.

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